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Begrüßung
Bunker und Belüftungsraum
Der Bunker

Im Herbst 1940 wurde in Wien mit dem Bau massiver Luftschutzbunker begonnen. Nach dem „Führer – Sofortprogramm“ sollten ausgesuchte Großstädte im „Deutschen Reich“ gegen eventuelle Bombenangriffe geschützt werden. Zunächst wurden robuste Tiefbunker in den Parkanlagen gebaut.

Der Tiefbunker im Esterhazypark verfügte über 44 Kammern. In dem Bunker waren vorsorglich Gasschleusen, 2 Maschinenräume, mehrere Aufenthaltsräume, Abort- und Waschräume integriert. Ebenso waren Erste–Hilfe–Stationen und Vorratskammern eingerichtet. Dieser, dem damaligen Stand der Technik entsprechende, modern ausgestattete Bunker, war vollkommen autark. Der Bunker hatte ein Fassungsvermögen für rund 300 Personen. Nach dem Krieg diente die Anlage eine Zeitlang als Nothotel.

Nach damaliger Vorschrift, sollte jedem Schutzsuchenden im Bunker eine Grundfläche von mindestens 0,6m² zur Verfügung stehen. Die meisten Bunker waren nach vorgegebenen Plänen einheitlich gebaut.

Im Verlauf des anhaltenden Krieges wurden auch Hochbunker und Flaktürme errichtet. 1943, als erstmals Österreich Ziel alliierter Luftangriffe wurde, strömte die Bevölkerung in die Bunkeranlagen, nachdem die Sirenen Fliegeralarm angekündigt hatten. Die rund 2m dicken Betondecken waren durch Stahlarmierungen bombensicher.

Bunkerplan
Bunkerplan aus dem Jahr 1943
Sonderausstellung: Guantanamo
Sonderausstellung: Guantanamo

Die Guantanamo Bay Naval Base (abgekürzt GTMO, gesprochen Gitmo) ist ein Stützpunkt der US Navy auf Kuba. Er befindet sich auf vom kubanischen Staat verpachtetem Gebiet und liegt im Süden der Guantánamo-Bucht, etwa 15 Kilometer südlich der gleichnamigen Stadt Guantánamo.

2002 wurde der Stützpunkt um ein Internierungslager erweitert (siehe Gefangenenlager der Guantanamo Bay Naval Base). Die kubanische Regierung betrachtet den Pachtvertrag von 1903, der 1934 unbefristet verlängert wurde, als ungültig.

Die Bereiche zur Unterbringung der Gefangenen sind Camp Iguana und Camp Delta (mit dem Sonderteil Camp Echo). Letzteres ersetzt das mittlerweile geschlossene Camp X-Ray.
Die Camp-Namen entstammen der NATO-Buchstabiertafel. Die Lager werden durch die Joint Task Force Guantanamo betrieben. Im Januar 2002 wurde in Folge der Anschläge vom 11. September 2001 und der darauf folgenden US-amerikanischen Invasion in Afghanistan begonnen, den Stützpunkt in ein Internierungslager für Gefangene zu erweitern, die von US-Regierungen unter Bush und Obama als ungesetzliche Kombattanten bezeichnet werden. Damit war sowohl der Schutz der Vereinigten Staaten vor Terroristen als auch die Gewinnung geheimdienstlicher Erkenntnisse beabsichtigt.

Die Rechtslage der Gefangenen, deren Haftbedingungen, die verwendeten Verhör- und Foltermethoden und die Verstöße gegen die Menschenrechte dort führen international zu scharfer Kritik und zu Forderungen nach Schließung. Nachdem seit 2002 insgesamt 779 Gefangene dort inhaftiert worden waren, betrug deren Zahl am 20. Januar 2017 noch 41.

guantanamo
Gefangene bei ihrer Ankunft im Januar 2002
Geschichte der Folter
Allgemeines

Mit dem Wort „FOLTER“ werden Handlungen bezeichnet, die einem Menschen körperliche Schmerzen zufügen und in der Regel auf Anordnung einer Behörde erfolgen. Das Wort Folter lässt sich wahrscheinlich vom lateinischen Wort poledrus, d.h. Fohlen, wohl nach der Form eines römischen Foltergerätes ableiten. „Tortura“ stammt ebenfalls aus dem Lateinsichen und bedeutete, wie das ähnlich oft verwendete Wort „tormenta“: „Qualen“, „Schmerzen“. Später werden auch die Bezeichnungen „Marter“, „Pein“ oder „peinliche Frage“ verwendet. Unter „foltern“ ist eine ganz bestimmte Art des Quälens gemeint: nämlich die, einen Menschen zum Sprechen zu bringen.

Die Geschichte der Folter lässt sich in Westeuropa von den Griechen und Römern über das Mittelalter bis hin zu den Rechtsreformen des 18. Jahrhunderts als Bestandteil des strafrechtlichen Verfahrens verfolgen. Trotz ihrer offizillen Abschaffung ist die Folter seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert in vielen Ländern Europas wieder eingeführt worden.

Geschichte der Folter: Antike bis Frühmittelalter

Im klassischen Griechenland durften nur Sklaven der Folter unterzogen werden. Die Römer übernahmen diese Verhörmethode, allerdings durften im römischen Strafrecht auch freie Bürger gefoltert werden, wenn sie schwerer Verbrechen verdächtigt waren. Durch die Übernahme des römischen Rechts in die mittelalterlichen Rechtsvorstellungen wurde die Folter ein Teil des mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Rechtssystems. Zu dieser „Wiederbelebung“ des Rechtes kam die Schaffung des umfassenden kirchlichen (kanonischen) Rechtes, das den Einsatz der Folter zulässig machte. Seit dieser Zeit gehörte die Folter, bis zum Ende des 18. Jahrhunderts zum normalen Strafverfahren in den meisten europäischen Staaten und wurde auch in den Prozessen der Kirche angewendet.

Geschichte der Folter: 13. - 18. Jahrhundert

Die Aufhebung der Folter und die Revision der Strafrechtssysteme im 18. Jahrhundert standen zweifellos in Zusammenhang mit der Aufklärung, moralischer Empörung und rechtlichen Reformen. Das „finstere Mittelalter“ stand als eine Epoche des „Aberglaubens und der Gewalt“ im Gegensatz zum Liberalismus des 19. Jahrhunderts. Die Aufhebung der Folter galt als einer der großen Meilensteine dieses Wandels. Allerdings wird die Folter seit dem Ende des Ersten Weltkrieges in vielen Ländern wieder angewendet und hat an Häufigkeit und Härte ständig zugenommen. Folter war und ist stets eine rechtliche Praxis und ein Bestandteil des gerichtlichen Verfahren, eine Methode, ausgeübt von Militär, Polizei und Todesschwadronen.

Geschichte der Folter: 19. - 20. Jahrhundert
Maria Theresia & Josef II
Maria Theresia

Maria Theresia (1740-1780) wollte auf dem Gebiet des Strafrechts im Jahre 1786 die Rechtseinheit der österreichischen Erbländer herbeiführen und schuf zu diesem Zweck eine „Peinliche Gerichtsordnung“, allgemein als „Constitutio Criminalis Theresiana“ bekannt.

Schon bei ihrem Erscheinen entsprach sie allerdings nicht mehr dem Zeitgeist, da sie sich auf eine veraltete theokratische Staatsauffassung stützte, daher wurden viele Bestimmungen darin in der Praxis nicht mehr vollzogen. Dazu gehörten die Ausschöpfung der strengen Strafen, die Bestrafung wegen magischer Delikte oder die Verwendung der Foltergeräte, deren Abbildungen im Anhang des Gesetzbuches zu finden sind.

Die Stadt Wien hatte nicht die notwendigen finanziellen Mittel zur Anschaffung der Foltergeräte und behalf sich mit Stockschlägen bei der Folter. Schon bald nach Inkrafttreten der „Nemesis Theresiana“ brachte die Aufklärung auch Reformen im Strafrecht, so hob ihr Sohn Joseph II 1776 die Folter auf und beseitigte 1781 die Todesstrafe.

Joseph II

Joseph II. (1780 – 1790) ist der große Reformator des Strafrechtes in Österreich. Unter dem Einfluss seiner aufklärerisch eingestellten Berater wie Joseph von Sonnenfels schaffte er 1776 die Folter ab und 1781 auch die Todesstrafe, die unter seiner Regentschaft nur ein einziges Mal vollzogen wurde. Stattdessen ließ er Verbrecher durch Stockschläge und Brandmarkung bestrafen, nach Ungarn deportieren und dort als Schiffzieher arbeiten. 

Bestehen blieben die Prangerstrafen, das Scheren der Haare und das Gassenkehren von verurteilten Frauen, allerdings sorgte er auch für Krankenpflege und Hygiene in den Gefängnissen und setzte Anfänge für ein Jugendstrafrecht. Mit seinem josephinischen Gesetzbuch setzte er eine Vorstufe für eine Zivilgesetzgebung und gab Richter und Advokaten genaue Richtlinien zur Ausübung ihres Berufes.

Maria Theresia
Porträt Maria Theresias von Martin van Meytens, um 1752
Gerichtsstube & Gerichtsordnung

Die frühneuzeitliche Gerichtspraxis ist in der Carolina, der Gerichtsordnung Karls V. von 1532 konkret festgelegt.

Das Verfahren war komplizierten Regeln unterworfen, wobei die Rechtsfindung streng von der Verurteilung und der Bestrafung getrennt wurde. Auch wenn es zu endlosen Prozessen, zu grausamen Situationen und Fehlurteilen kommen konnte, lief das Strafverfahren keineswegs willkürlich ab.

Ein wichtiger Teil des Prozesses war das Ermittlungsverfahren. Wenn ein Täter seine Schuld nicht gestand, konzentrierte sich das ganze gerichtliche Bemühen darauf, dem Tatverdächtigen ein Geständnis abzuringen, denn für das Verhängen einer Strafe waren Zeugenaussagen und Indizien zu wenig. Das erste Verhör nahm oft ein Gerichtsdiener oder Schöffe vor.

Dann tagten meistens ein Richter, zwei Schöffen und ein Schriftführer in der Gerichtsstube. Dies schüchterte den Angeklagten ein.

Im Vordergrund der Befragung stand die Rekonstruktion des Verbrechens. Die Person des Missetäters und das Tatmotiv traten dabei in den Hintergrund. Ziel war es, ein möglichst freies und umfassendes Geständnis zu erhalten.

Um dies zu erreichen wurde die Folter angewandt. Ihre Anwendung setzte aber eine ausdrückliche Genehmigung der Obrigkeit voraus. Erst wenn ein Verdächtiger trotz der Aussagen von zwei Zeugen nicht gestehen wollte und das zweite Verhör ergebnislos verlaufen war, konnte die Folter angedroht oder auch angewandt werden. Jugendliche, Kranke, Schwangere und Wöchnerinnen waren von der Folter ausgeschlossen.

Ge24stube
Gerichtsstube

Das Pendel war ein häufig gebrauchtes Mittel in der Tortur. Dabei wurde der Delinquent entweder frei aufgezogen (Pendel) oder die Streckung erfolgte auf einer Leiter.

Am weitesten verbreitet war die „Wippe“, die ihren Ursprung in Südwestdeutschland haben soll und auch als „Pendel“ oder als „Königin der Folterqualen“ bezeichnet wurde. Dem Angeklagten wurden die Hände auf den Rücken gebunden, dann ein Seil an ihnen befestigt, das über eine Rolle lief. An diesem Seil wurde der Delinquent langsam in die Höhe gezogen und dort eine Weile hängen gelassen.

Beim zweiten Grad der Folter wurde dann ein Gewicht an die Füße gehängt, beim dritten Grad ein schwereres Gewicht, was eine starke Verrenkung der Glieder zufolge hatte. Das Aufziehen auf eine Leiter oder Streckbank gehörte ebenfalls zum zweiten Grad der Tortur.

Der Verdächtige wurde auf der Leiter nach oben gezogen, die Fußgelenke hatte man unten festgebunden. Die Hände wurde solange, oft rückwärts über den Kopf, hochgezogen, bis die Arme ausgerenkt waren. Einen „Entwurf der vollkommenen Ausdehnung des Inquisiten“ als Teil der sog. „Prager Tortur“ findet sich in der Theresiana. Um die Tortur zu verstärken, konnte der Scharfrichter brennende Unschlittkerzen an den Körper des Delinquenten halten.

Pendel
Streckleiter in der Constitutio Criminalis Theresiana von 1768

Der Stachestuhl, der auch Folterstuhl, Angststuhl, Jungfernschoß oder Jungfernsessel genannt wurde, ist eine Rekonstruktion aus Fragmenten eines Originals des 17. Jahrhunderts.

Es handelt sich um einen Lehnstuhl aus Holz, dessen Lehne, Armstützen, Sitz- und Trittbrett dicht mit konischen Eisenstiften besetzt sind. Historischen Berichten zufolge soll es möglich gewesen sein, unter dem Sitz ein Feuer anzufachen, um so die Eisenstifte zu erhitzen.

Der Stuhl wirkt nicht nur in unserer Zeit schauderhaft; diese Wirkung sollte die Inszenierung auch auf den damaligen Betroffenen haben. Geräte wie dieses waren häufig bloße Schaustücke, die keine wirkliche Verwendung fanden. Gedroht wurde mit ihnen – im Zusammenwirken mit den bereits vorhandenen Vorstellungen von der Fuchtbarkeit des Folterns. Verstärkt wird dieser Eindruck durch die stachelbesetzten Eisenbänder.

Wasserfolter

Bei dieser Foltermethode wurde den Opfern Jauche oder Wasser, oft auch vermischt mit Urin, Kot und Schmutzwasser, über einen Eimer oder Trichter direkt in den Mund eingeführt. Neben dem dadurch erregten Ekel und Abscheu sowie der Möglichkeit bakterieller Infektionen verursachte der Schwedentrunk Erstickungsängste sowie starke Magen- und Bauchschmerzen. Auch verätzte die stark säurehaltige Jauche die Speiseröhre des Opfers. Das regelmäßige Eindringen von Flüssigkeit und Feststoffen über die Luftröhre in die Lungen mit der Folge einer in der Regel tödlichen Lungenentzündung ist bei den Umständen solcher Folterungen stark anzunehmen. Die Qualen konnten dadurch verstärkt werden, dass der Bauch mit Brettern zusammengepresst wurde oder die Folterer auf dem Bauch des Opfers herumsprangen und -trampelten. Bei der Wasserfolter scheint es sich um einen deutschen Landsknechtsbrauch des 17. Jahrhunderts zu handeln. Jedenfalls ist sie in Wien nicht nachzuweisen.

Wasserfolter
Schandmaske und Schandflöte

Zu den Eherntafeln zählt die Schandflöte. Die Strafgeräte in Form von Trompeten, Posaunen oder Flöten finden sich vor allem im 16. Und 17. Jahrhundert.

Sie wurden aus Holz, Messing oder Eisen gefertigt. Der Eisenring am oberen Ende umschloß den Nacken des Delinquenten, die Finger wurden wie die eines Musikers in die Kerben gelegt und festgeschraubt. Dann musste der Verurteilte am Pranger stehen. Vor allem Musiker, die schlecht spielten, wurden so bestraft, aber auch Flüche, Ruhestörungenoder Getöse vor der Kirche während des Gottesdienstes.

Schandgeige/Fischerfidel
Schandgeige & Fischerfidel

Das Tragen der Halsgeige war eine der niedrigsten und harmlosesten Strafen am Pranger. Wenn sich zwei Frauen häufig stritten, sperrte man sie in die Doppelhalsgeige, die auch als Fischerweiberfidel bezeichnet wurde.

Das Umhängen hölzerner Halsgeigen verschärfte die Strafe des Prangerstehens. Schandfiedeln blieben in Wien bis in die josefinische Zeit in Verwendung, erst 1848 wurde diese Strafe aus dem Strafgesetzbuch gestrichen.

Alle Prangerstrafen sind grundsätzlich ehrenrührig, aber es gab Strafen, die die Ehre weniger oder stärker verletzten. So bedeutete das Tragen von Halsgeigen keinen Ausschluss aus der Gemeinschaft, wohingegen das Stehen am Pranger eine unehrlich machende Wirkung hatte.

Daneben gab es noch eine Reihe Ehrenstrafen, die nicht am Pranger vollstreckt wurden und vor allem Frauen betraf: In Fällen von Unzucht oder Ehebruch mussten sie Strohkränze aufsetzen oder eine Mistkarre durch die Gassen fahren.

Schandmaske
Bäckerschupfen/Straßenräubersarg
Bäckerschupfen

Das Bäckerschupfen war die in Europa übliche Ehrenstrafe für Bäcker, die untergewichtiges Brot verkauften. Die Strafe wurde mit einer Vorrichtung vollzogen, welche die Gestalt eines Korbes hatte, der am Ende einer einfachen Schaukel hing. Diese Strafe wurde durch Eintauchen in die Donau in der Rossau bis 1773 vollzogen, aber auch vor dem Fischertor, am Graben und am Neuen Markt in Bottichen mit menschlichen Unrat.

Der Neue Markt wurde deshalb gewählt, da er der Mehlmarkt von Wien war, also der Tatort an dem das Brot verkauft worden war.

Straßenräubersarg

Der Straßenräubersarg ist ein Warngerät zur Erzielung der Generalprävention und gehört zu den Hungerstrafen. Sein Ursprung scheint im angelsächsischen Bereich zu liegen, wo man Straßenräuber an Wegkreuzungen in Eisenkäfige einschloss und vor den Augen des Publikums öffentlich verhungern ließ.

Zwar sind auch aus Wien Schandkäfige bekannt, die allerdings zur kurzzeitigen „Ausstellung“ straffälliger Personen dienten, die Strafe des Verhungern lassens im Straßenräubersarg ist aus Wien nicht bekannt, allerdings ist aus 1385 die Strafe des lebendig Einmauerns und damit der Tod durch Verhungern aus Wien bezeugt.

Bäckerschupfen
Der original nachgebaute Rüthener Schubstuhl nahe dem früheren Schneringer Tor
Brandeisen/Schandmantel

Das Brandmarken zählte zu den schwersten Strafen nach der Todesstrafe. Die Strafe, die sehr weit verbreitet war, galt als eine im höchsten Grade ehrenrührige Bestrafung. Meistens schloss die Strafe die Landesverweisung mit ein.

Bis in das 19. Jahrhundert wurden vor allem Diebe gebrandmarkt und insbesondere Leute aus den unteren Volksschichten, die man jedoch nicht zum Tode verurteilen wollte oder konnte. Das Zeichen – ein Symbol des Galgens, das Stadtwappen oder ein Buchstabe – brannte der Scharfrichter in aller Öffentlichkeit auf die Stirn, den Rücken oder den Nacken.

Der Gezeichnete war somit nicht nur eidesunfähig, sondern auch „unehrlich“ und sein Leben lang als Übeltäter zu erkennen.

Mit glühenden Zangen zu „zwicken“ war mancherorts zur Geständnisserzwinung vor allem bei Hexenprozessen im dritten Grad der Folter üblich. Als Strafverschärfung galt, wenn ein zum Tode Verurteilter auf dem Weg zur Hinrichtungsstätte mit glühenden Zangen malträtiert wurde. 
In Wien wurde das „Zwicken“ bei Ketzerprozessen und bei der Hinrichtung von rekonvertierten Juden verwendet, so wurde 1642 der ehemalige Rabbiner Joachim Engelberger „...auf vier Plätzen zweimal mit glühenden Zangen gezwickt, zweimal Riemen aus dem Rücken gerissen...“.

Brandeisen
Der Storch

Als „Storch“ wird ein Gerät zur Fesselung bezeichnet. Die Fessel umschließt Kopf, Arme und Beine und verursacht nach kurzer Zeit sehr schwere Krämpfe. Ein beinahe identisches Exemplar wie das hier gezeigte, heißt „scavenger´s daughter“ Tochter des Straßenkehrers und ist im Londoner Tower zu sehen. Die italienische Bezeichnung „cicogna“= Storch findet sich bei Muratori, der sie den juristischen und inquisitorischen Archiven Roms von 1550- 1650 entlehnt hat.

Der Storch
Prangerstrafen - Teil 1

Wann und wo der Pranger als Strafvollzugsgerät erstmals zur Anwendung kam, ist historisch nicht belegbar. Ab dem 13. Jahrhundert ist er bereits vereinzelt erwähnt. In großem Umfang wurden Prangerstrafen seit der Carolina verhängt und kamen bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts zur Anwendung. 

Wie häufig die Bestrafung des Prangerstehens ausgesprochen wurde, ist kaum mehr festzustellen, lässt sich für Wien aber aus der Nachricht ableiten, dass zwischen  1470 und 1479 insgesamt 34 Prangerstrafen ausgesprochen wurden. Der Scharfrichter ist jedoch nur in besonderen Fällen dabei: die Ehrenstrafe des Prangerstehens konnte mit einer Körperstrafe kombiniert sein. 

Die Form des Prangers war vielfältig: ein Halseisen, das mit einer Kette an einem öffentlichen Gebäude befestigt war; ein Holzpfahl auf einem Podest (Schandpfahl); eine steinerne, kunstvoll verzierte Säule mit dem Stadtwappen oder ein hölzernes Gestell, das auf einem öffentlichen Platz stand. In Wien wurde die Strafe der „Schandbühne“ erst 1848 aufgelassen.

Prangerstrafen - Teil 2
Fußblock

Dies ist ein senkrecht stehender Block oder ein Brett, mit Löchern für die Beine und Eisen für die Handgelenke. Man benutzte ihn als Pranger und in Gefängnissen. Im Mittelalter war der Freiheitsentzug nur ein Gnadenmittel anstelle der Todesstrafe. Vor allem die Städte betrieben ab dem 14. Jahrhundert Gefängnisse.

Der Freiheitsentzug wurde vor allem bei Zahlungsunfähigkeit verhängt, erst später entwickelte er sich zur selbstständigen Strafe bei anderen Delikten. Nach der Carolina, Artikel 157, konnten kleinere Diebstähle mit zeitlich begrenztem Kerker bestraft werden. In ihrer Wirkung war die Gefängnisstrafe indessen eine Leibesstrafe, denn der Zustand der Gefängnisse  war fürchterlich.

Durch Dunkelheit, Kälte, Hunger und Ungeziefer litten die Häftlinge, womöglich gefesselt oder in den Stock gespannt, schwere Qualen. Ursprünglich wurden in Wien die Gefangenen in den Kasematten des Burg- und Stadtgrabens verwahrt. 1673 wurde das Zucht- und Arbeitshaus in der Josefstadt fertiggestellt, wo die Gefangenen unter menschenunwürdigen Bedingungen vegetierten.

Erst mit der Eröffnung des neuen Kriminalge24gebäudes am Glacis 1839 besserten sich die Zustände.

Prangerstrafen
Inquisition - Teil 1

Die Inquisition, lateinisch „Untersuchung“ wird seit 1184 von der Kirche als Maßregel gegen Ketzer angesehen, ab 1252 ist dabei auch die Tortur erlaubt. In Österreich unter Karl V. eingeführt wandte sich die Inquisition gegen Ketzer und Zauberei, später auch besonders gegen den aufkommenden Protestantismus.

Inquisition - Teil 2
Inquisition
Spanische Inquisition - Quelle unbekannt
Einserne Jungfrau & Rost

Die Eiserne Jungfrau soll ein Gerät zur Hinrichtung, aber auch zur Folterung gewesen sein. In Raritätenkabinetten ist die mysteriöse „Jungfrau“ zuweilen zu sehen, doch es scheint, als sei sie nachträglich für Schauzwecke angefertigt worden.

Derartige Einrichtungen sollen sich in Wien, Salzburg, Prag, Breslau, Dresden, Berlin und anderen deutschen Städten befunden haben. Es existieren zwar viele Berichte über die Jungfrau, die aber in der Romantik des 19. Jahrhunderts entstanden sind. Danach war das Instrument im Mittelalter in Städten, auf Burgen und Schlössern in Gebrauch. Aber kein Inquisitionsgerichtsprotokoll erähnt ihre Anwendung.

Die Form des Prangers war vielfältig: ein Halseisen, das mit einer Kette an einem öffentlichen Gebäude befestigt war; ein Holzpfahl auf einem Podest (Schandpfahl); eine steinerne, kunstvoll verzierte Säule mit dem Stadtwappen oder ein hölzernes Gestell, das auf einem öffentlichen Platz stand. In Wien wurde die Strafe der „Schandbühne“ erst 1848 aufgelassen.

Eiserne Jungfrau
Galgen & Kessel
Galgen

Im Mittelaler war Hängen die am häufigsten ausgesprochene Todesstrafe, die vor allem auch Diebe im Wiederholungsfall zu erleiden hatten. Der Vorgang des Hängens erfolgte meistens so, dass zwei Leitern an den Galgen gelehnt wurden.

An einer stieg der Henker empor und an der anderen führte er den Verurteilten, der an den Händen gefesselt war und einen Strick um den Hals hatte, mit sich. Der Henker befestigte den Strick am Galgenhaken und legte dem Verurteilten die Schlinge um den Hals.

Dann stieg er selbst hinab und stieß die Leiter, auf der der Verurteilte stand um, sodass dieser nun frei in der Luft hing. Die Schlinge zog sich durch das Gewicht des Hängenden zusammen und verschloss Die Luftröhre und die Blutgefäße, sodass der Tod relativ bald eintrat.

Der Kessel

Die Folter in siedenden Wasserkesseln ist als Foltern von Geldfälschern überliefert. Sie scheint Ihren Ursprung aber eher im Bereich der Gottesurteile zu haben, bei der beschuldigte Personen unbeschadet gegenstände aus Kesseln mit kochendem Wasser herausholen mussten.

Galgen
Hexenverbrennung & Scheiterhaufen

Die Strafe des Verbrennen bei lebendigen Leib wurde aus mystischen Gründen vor allem bei Hexen, Zauberer, Religions- und Ketzerprozessen durchgeführt, da das Feuer die Welt von unreinen Gedanken reinigen sollte, bzw. sollte außer Asche nichts vom Delinquenten überbleiben.

Zu den bemerkenswerten Verbrennungen in Wien zählen daher die Hinrichtungen der Juden bei der Wiener Geserah 1419, die Verbrennung der Wiedertäufer Kaspar Tauber 1524, Balthasar Hubmaier 1528 und Johann Hayn 1549, sowie die Verbrennung der einzigen in Wien verurteilten Hexe Elisabeth Plainacher 1583. Die Verbrennungen fanden in Wien auf der Gänseweide, nahe der heutigen Weißgerberlände statt.

Bei Verbrennungen war es die Aufgabe des Henkers, den Verurteilten kurz vor dem Entzündendes Feuers mit einer Garotte von hinten zu erwürgen, später hängte man kleine Schießpulversäckchen den Opfern um den Hals oder bestrich ihr Totenhemd mit Schwefel, um den Tod zu beschleunigen.

Scheiterhaufen
Der Henker von Wien
Richtbeil

Das Richtbeil wurde nur vereinzelt zum Enthaupten verwendet. Vielmehr gebrauchte es der Scharfrichter, wenn eine Tat durch eine Verstümmelungsstrafe gesühnt werden sollte.

Die häufigste Verstümmelungsstrafe was das Abschlagen der Hand. Tatbestände, die mit dem Verlust der Hand bestraft wurden waren Meineid, Körperverletzung mit bleibendem Schaden fpr das opfer, Falschspiel, wiederholte Benutzung falscher Gewichte und Diebstahl.

Das Handabschlagen hat eine alte Tradition, vor allem in der Zeit der Karolinger nahm die Anwendung dieser Verstümmelungsstrafe zu. Allerdings konnte nur ein Unfreier mit dem Verlust einer Hand bestraft werden.

Richtbeil/Richtschwert & Rad
Rad

Die Hinrichtung mit dem Rad galt als schimpflichste, ehrloseste und schmachvollste Strafe, die fast ausschließlich an Männern vollzogen wurde. Sie wurde vor allem bei Mord verhängt und war bis in das 18. Jahrhundert gebräuchlich.

Allerdings wurde der Delinquent ab dem 17. Jahrhundert vorher oft enthauptet oder erdrosselt. Der Verurteilte wurde mit ausgestreckten Armen und Beinen an Pflöcken festgebunden.

Dann wurde ein Rad auf seine Glieder gestoßen, die Zahl der Stöße war häufig im Urteil festgelegt. Der Sterbende oder Tote wurde durch die Speichen des Rades geflochten und das Rad schließlich auf einen Pfosten oder Galgen gesteckt und der Körper den Raben zum Fraß überlassen.

Die letzte Hinrichtung auf dem Rad wurde in Wien am 10. März 1788 vollstreckt, hingerichtet wurde Franz Zehlhelm, der seine Geliebte beraubt und ermordet hatte.

Rädern als Foltermethode
Rädern – Holzschnitt von Johann Stumpf – Augsburg 1586 (Quelle: Wikimedia)
Guillotine/Garotte Teil 1

Die Guillotine ist untrennbar mit der Französischen Revolution (1789-1793) verbunden. Die Versuche, solche Maschinen zu bauen, gehen jedoch bis in das 15. Jahrhundert zurück.

Ihren Namen bekam die Guillotine vom französischen Arzt Joseph – Ignace Guillotine, der 1789 zum Abgeordneten in die Nationalversammlung gewählt wurde. Es war Guillotine ein Anliegen, Hinrichtungen möglichst rasch und schmerzlos zu machen. Außerdem sollte die Enthauptung nicht länger ein Privileg höhergestellter Personen sein.

Die erste Hinrichtungsmaschine wurde am 4. April 1792 am Place de Grève in Paris aufgestellt. Viele Hinrichtungen fanden in der Zeit zwischen dem Herbst 1793 und dem Frühsommer 1794 unter der Diktatur des „Wohlfahrtsausschusses“ von Maxime Robespierre statt: in dieser kurzen Zeit starben allein in Paris 1250 Personen.

Auch König Ludwig XVI und Marie Antoinette wurden 1793 mit der Guillotine hingerichtet.

Die Todesstrafe und damit der Gebrauch der Guillotine wurde in Frankreich erst im Jahre 1984 abgeschafft. In Wien wurde die Hinrichtung durch die Guillotine in der Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft (1938-1945) im Wiener Landesgericht vollzogen.

Guillotine/Garotte Teil 2
Guillotine
Schulstrafen

Bereits seit dem Altertum war es üblich, Kinder bei Nichtbefolgung der Disziplinarregeln in der Schule körperlich zu züchtigen, wobei dem Lehrer bis in das frühe 20. Jahrhundert das selbe Züchtigungsrecht zugestanden wurde wie den Eltern. Allerdings gibt es bereits seit dem Mittelalter Stimmen, wie z.B. Walter von der Vogelweide, der sagt: „Niemanden kann man mit Rutenschlagen zum guten Benehmen bringen, ein gutes Wort ist wie ein Schlag...“.

Dennoch bleibt im gesamten Mittelalter und bis in jüngste Zeit die Rute das Symbol des Lehrerstandes, mit ihr wurden die Schüler teils auf den Rücken, das Gesäß oder die Finger geschlagen. In mittelalterlichen Schulstuben hing sie immer sichtbar zur Mahnung an die Schüler an der Wand. Auch das „Nachbleiben“ (Nachsitzen) und das Einsperren nach der Schule (Karzer) sind Strafen, die bereits im Mittelalter, besonders bei störenden Studenten verwendet wurden, hierzu kamen oft noch bedeutende Geldstrafen, z.B. wenn sich ein Student mit einer Frau in der Burse, dem Studentenheim, erwischen ließ.

Erst später kommen weitere körperliche Strafen auf, sei es das Knien am Fußboden, manchmal verschärft durch kleine Hölzer oder Erbsen, sei es das Sitzen auf der Eselsbank, die der Form eines Esels nachgebildet war, oder auch das Tragen einer Eselsmütze mit langen Ohren, um auf den Lernunwillen des Schülers hinzuweisen.

Schulstrafen waren bis in das frühe 20. Jahrhundert im Gebrauch, ab dem 19. Jahrhundert werden sie allerdings bereits streng reglementiert, so heißt es in einer Schulordnung von 1907: „Schulstrafen dürfen niemals eine Gesundheitsschädigung herbeiführen. Körperliche Züchtigung (auf die Hand, bei Knaben auf das Gesäß, niemals Schläge an den Kopf, das Ohr, die Kniekehle oder den Unterleib) sollen nur bei moralischen Fehlern, Bosheit oder Rohheit, nie bei Versäumnissen Platz greifen.

Strafarbeiten sind nach Möglichkeit zu beschränken, das zeitraubende, geisttötende, mechanische Abschreiben ist entschieden zu missbilligen. Das Nachsitzen hat nur Wert bei genügender Beaufsichtigung, das Herausstellen (Eckenstehen) ist auf wenige Minuten zu beschränken.“

Seit 1918 sind in Österreich alle Schulstrafen, die auf eine körperliche Züchtigung zielen, verboten, an ihre Stelle sind diziplinäre Maßnahmen getreten.

Peinlich genaue Mitschrift eines schwäbischen Lehrers aus dem 18. Jahrhundert, der in seiner Amtstätigkeit die Züchtigungen gegenüber seiner Schüler aufzeichnete:

  • 911.527 Stockschläge
  • 124.010 Rutenhiebe
  • 20.939 Pfötchen u. Klopse
  • 136.715 Handschmisse
  • 10.205 Maulschellen
  • 7.905 Ohrfeigen
  • 158.800 Kopfnüsse
Schulstrafen
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